Highboards
Das Highboard als Stauraummöbel mit Präsenz
Ein Highboard ist die hohe Variante der Anrichte. Es ist niedriger als ein Schrank, aber höher als ein Sideboard, und reicht meist bis Brust- oder Schulterhöhe. Mit diesen Proportionen nutzt es die Wandhöhe, ohne den Raum optisch zu erdrücken, und seine Oberseite wird zur Ablagefläche für Vasen, Skulpturen oder Bilderrahmen. Wer einen Schrank als zu massiv und ein Sideboard als zu niedrig empfindet, findet im Highboard eine Verbindung beider Logiken: Stauraum mit visueller Wirkung. Im Esszimmer dient es als Buffetschrank, im Wohnzimmer als Mediamöbel, im Schlaf- oder Ankleidezimmer als Kommode mit zusätzlicher Höhe.
Wie unterscheiden sich Highboard, Sideboard und Lowboard?
Die drei Board-Typen unterscheiden sich vor allem in den Proportionen und damit in der Nutzung. Das Highboard betont die Höhe und bietet viel Stauraum auf vergleichsweise geringer Stellfläche; es passt gut in schmale Räume oder dient als Raumteiler. Das Sideboard ist deutlich breiter als hoch, hat eine durchgehende Oberfläche und eignet sich für Ess- und Wohnzimmer, in denen die Oberseite für Dekoration oder Geschirr genutzt wird. Das Lowboard ist besonders niedrig, oft nur 40 bis 50 cm hoch, und wird vor allem für Hi-Fi-Anlagen und Fernseher oder als Mediamöbel eingesetzt.
Innerhalb der Kategorie Regale und Schränke bewegt sich das Highboard zwischen reinem Stauraummöbel und repräsentativem Einzelstück. Für Bücher sind Regale die passendere Wahl, für großvolumigen geschlossenen Stauraum ein Schrank. Das Highboard ist die Mischform für gemischte Anforderungen.
Bauformen und Inneneinteilung
Nach ihrer Inneneinteilung lassen sich Highboards in mehrere Bauformen unterscheiden. Modelle mit überwiegend Türen bieten geschlossenen Stauraum, hinter dem sich auch optisch unruhige Gegenstände wie Aktenordner oder Geschirr verstauen lassen. Hier kommt es auf robuste Scharniere und sauber schließende Türen an, weil ein Highboard durch seine Höhe stark im Blickfeld steht.
Bauformen mit Schubladen machen ihren Inhalt leichter zugänglich und eignen sich für Besteck, Tischwäsche oder kleinere Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Hochwertige Modelle verwenden Vollauszüge mit Selbsteinzug, einfachere Modelle Teilauszüge. Offene Fächer oder Klappen bieten Platz für Dekoration, Bücher oder kleine Elektronik. Viele Highboards kombinieren mehrere dieser Elemente; die Inneneinteilung sollte daher zur tatsächlichen Nutzung passen.
Maße und Materialien
Typische Maße für Highboards bewegen sich in folgenden Bereichen:
- Höhe: 100 bis 160 cm; darunter beginnt das Sideboard, darüber der Schrank
- Breite: 80 bis 160 cm; schmale Modelle setzen vertikale Akzente, breite bilden das Stauraumzentrum eines Raums
- Tiefe: 35 bis 45 cm; tiefer als ein Regal, flacher als ein klassischer Schrank
Bei den Materialien dominieren zwei Welten. Holzkonstruktionen aus Massivholz, Furnier auf MDF oder Birken-Multiplex wirken warm und wohnlich, sind in vielen Holzarten verfügbar und entwickeln mit der Zeit Patina; sie sind die häufigste Wahl für Wohn- und Esszimmer. Stahlkonstruktionen aus pulverbeschichtetem Blech und verchromtem Stahlrohr wirken kühler und sind sehr robust. Sie werden gewählt, wenn das Highboard auch als gestalterisches Statement wirken soll, und finden sich häufig in Büros, Arbeitszimmern oder puristisch eingerichteten Wohnräumen.
Modulare Systeme von USM Haller und Tojo
Im Highboard-Sortiment von Cairo prägt vor allem ein Hersteller das Bild: USM Haller aus dem schweizerischen Münsingen, einer der bekannten Namen für modulare Stahlmöbel. Die Abkürzung USM steht für „Ulrich Schärer Münsingen“ und verweist auf den Firmengründer Ulrich Schärer, der 1885 eine Schlosserei und Schmiedewerkstatt gründete. Das Möbelsystem hat architektonische Wurzeln: Der Schweizer Architekt Fritz Haller (1924–2012), Spezialist für Baustandardisierung und Professor an der Universität Karlsruhe, entwickelte das Bauprinzip zunächst für die neue USM-Firmenzentrale in Münsingen. Da das Prinzip aus Kugeln als Verbindern, Stahlrohren und füllenden Flächen ebenso für Möbel funktionierte, wurde der Verwaltungstrakt mit Möbeln derselben Konstruktion eingerichtet. 1969 ging das System in Serienfertigung, gemeinsam entwickelt mit Paul Schärer (1933–2011), dem Enkel des Firmengründers.
Konstruktiv bestehen die USM Haller Highboards aus drei Elementen: verchromten Stahlkugeln mit bis zu sechs Gewindebohrungen als Verbindern, eingeschraubten Stahlrohren als Skelett und pulverbeschichteten Stahlblechen als Flächen. So entstehen rechtwinklige, kubische Möbel, die sich frei zusammenstellen, später erweitern und bei Bedarf umkonfigurieren lassen. Schubladen und Klapptüren sind aus demselben Stahlblech gefertigt und in einer breiten Farbpalette verfügbar; Nivellierfüße gleichen Bodenunebenheiten aus. 1980 wurde das System in Die Neue Sammlung in München aufgenommen, 1988 als Werk der angewandten Kunst urheberrechtlich anerkannt und 2001 in die Designsammlung des Museum of Modern Art in New York aufgenommen. Bei der Auswahl steht die gewünschte Konfiguration im Mittelpunkt: Ein USM Haller Highboard ist auf eine Nutzung über Jahrzehnte angelegt, in denen sich Inneneinteilung und Aufstellung an wechselnde Wohnsituationen anpassen lassen.
Einen anderen Ansatz verfolgt Tojo. Der Hersteller aus Schorndorf in Baden-Württemberg setzt auf formale Klarheit und minimalistische Konstruktionen. Ein Beispiel ist ein frei stehendes Regalsystem von Dirk Frömchen, dessen Elemente aus weiß beschichtetem MDF sich horizontal und vertikal erweitern lassen. Verbunden werden sie über markant ausgefräste Seitenpartien und Metallclips; Elemente mit Türen und Rückwänden schaffen geschlossene Fächer. Der Entwurf wurde 2012 mit dem interior innovation award ausgezeichnet.
Cairo stellt eine kuratierte Auswahl an Highboards zusammen, von modularen Stahlsystemen bis zu schlichten Regalelementen aus beschichtetem MDF. Konstruktion, Materialqualität und Langlebigkeit stehen dabei im Vordergrund.
Häufige Fragen zu Highboards
Worin unterscheidet sich ein Highboard von einer Kommode?
Die Kommode ist historisch ein Möbel mit ausschließlich oder überwiegend Schubladen, das in Schlafzimmern oder Fluren steht und meist deutlich breiter als hoch ist. Das Highboard ist höher, kann Türen, Schubladen und offene Fächer kombinieren und ist nicht an einen bestimmten Raum gebunden. In der modernen Möbelpraxis sind die Übergänge fließend; ein hohes Schubladenmöbel wird je nach Hersteller und Verwendungskontext sowohl als Kommode als auch als Highboard bezeichnet.
Welche Höhe ist für ein Highboard sinnvoll?
Highboards reichen typischerweise bis Brust- oder Schulterhöhe, also etwa 100 bis 140 cm. Modelle bis 160 cm wirken bereits schrankartig und passen gut in größere Räume mit hohen Decken; darüber beginnt der Schrank. Wichtig ist, dass die Oberseite in einer Höhe liegt, in der die darauf platzierte Dekoration zur Geltung kommt: Bei einer Oberkante von 140 cm sieht man eine Vase frontal, bei 160 cm eher von unten.
Wie viel Stauraum bietet ein typisches Highboard?
Ein Highboard mit 120 cm Breite, 140 cm Höhe und 40 cm Tiefe ergibt rund 670 Liter Bruttovolumen. Nutzbar ist je nach Inneneinteilung ein geringerer Anteil, weil Schubladenrahmen, Zwischenböden und Türfalze Volumen beanspruchen. Modelle mit Klapptüren bieten meist etwas mehr Nutzvolumen als Modelle mit Schubladen, da im Inneren weniger Material verbaut ist.
Eignet sich ein Highboard als Raumteiler?
Ja, vor allem Modelle mit beidseitig zugänglicher Konstruktion oder mit einer gestalteten Rückwand, die als Sichtschutz dient. Stahlkonstruktionen wie die USM Haller Highboards sind stabil genug, um frei im Raum zu stehen. Bei Holzkonstruktionen ist die Rückseite oft schlichter ausgeführt, weshalb diese Modelle eher für die Wandaufstellung gedacht sind. Rund um ein frei stehendes Highboard sollte ausreichend Bewegungsfläche eingeplant werden.
Wie wird ein Highboard richtig gepflegt?
Bei Holzoberflächen genügt regelmäßiges Abstauben mit einem trockenen oder leicht angefeuchteten Tuch; geölte Oberflächen benötigen ein- bis zweimal pro Jahr eine Nachbehandlung mit Öl. Pulverbeschichtete Stahlflächen sind pflegeleicht und werden mit einem feuchten Tuch und gegebenenfalls mildem Reinigungsmittel gereinigt; aggressive Mittel können die Beschichtung beschädigen. Verchromte Stahlrohre und Kugeln werden mit einem weichen Tuch und Glasreiniger oder Chrompflegemittel behandelt; auf Stahlwolle und scheuernde Reiniger sollte verzichtet werden.